Schweiß und Druck

In den vergangenen Wochen habe 2 Teilnehmer des Projektes eigene Tests durchgeführt, um einerseits das Verhalten einer mit Hasenleim hergestellten Leinenplatte zu testen und andererseits zu prüfen, ob das Trocknen unter Druck Einfluss auf die Verbindung von Hasenleim und Leinenstoff lagen hat.

Miniaturpanzer aus 3 Lagen Leinen, verbunden durch Hasenleim, gebaut von Kevin Grotherr. Die Höhe der Rüstung beträgt etwa 7 cm.


Versuch 1: körperliche Tätigkeiten als Einflussmöglichkeit auf den Linothorax (dargestellt durch ein verklebtes Leinenstück), von Robert Voit

 

Um eine mögliche Flexibilität des Linothorax zu testen, wurde durch die Projektgruppe unter Leitung von Herrn Zerjadtke ein Experiment durchgeführt. Nach gemeinsamer Absprache und Organisation wurde festgelegt, dass ein Linothorax, repräsentiert durch ein 30 x 30 cm großes Stück Leinenstoff aus 15 Schichten, verleimt mit Hasenleim, im praktischen Versuch Einflüssen durch den menschlichen Körper ausgesetzt werden sollte. Beim Versuch in Form eines einstündigen Dauerlaufes wurde das Versuchsobjekt nah am Körper getragen. Als Unterschicht diente ein einfaches Langshirt aus Schafswolle. Ziel des Tests ist, ob - falls ja - wie sehr Schweiß- und Wärmeabgabe das Teststück formt und flexibel macht. Durchgeführt wurde der Versuch am Freitag, den 25.01.2019 von 9:40 Uhr bis 10:40 Uhr. Das Teststück wurde auf dem Wollhemd (200 gr. Wolle pro qm) getragen. Die Laufstrecke betrug 8,47 km und die Laufzeit 56 Minuten. Der Test wurde bei leichtem Schneefall, leichtem Windgang und –4° C Außentemperatur durchgeführt.

 

Nach dem Lauf war das Teststück äußerlich so gut wie unverändert, bis auf einen leichten Schweißfleck von etwa 10 cm Durchmesser. Die Biegsamkeit hatte sich nicht verändert. Durch die Wärme und die Flüssigkeit war jedoch der Leim leicht angelöst, erkennbar durch den typischen Geruch bei der Herstellung des Leims. 

R.V.


 

Pressen oder nicht pressen?

Bericht zu den Teststücken #3, #4, #5, #6, von Kevin Grotherr

 

Teststücke #4 (nicht gepresst) links und #3 (gepresst) rechts.

Die Grundlage des Versuchs zu den Teststücken #3 und 4# wird von der Frage bestimmt, ob das Pressen des Leinenstoffes während der Trocknungsphase die Eigenschaften des Stoffs nachhaltig beeinflusst. Zur Beantwortung dieser Frage wurden zwei gleiche Proben zu je 15x15 cm aus demselben Stoff (Leinen Typ 1) hergestellt. Beide Teststücke wurden dabei nach dem bereits beschriebenen Tauchverfahren mit 6 Lagen verklebt. Während die Vergleichsprobe #4 zum Austrocknen auf einem Rahmen gelegt wurde, trocknete die Probe #3 unter Druck zwischen zwei Holzplatten aus. Dabei konnte beobachtet werden, dass Probe #4 deutlich langsamer austrocknete als Probe #3. 

Nach dem Trocknungsprozess konnten kaum nennenswerte optische oder strukturelle Unterschiede zwischen beiden Teststücken festgestellt werden. Auch bezüglich der Trag- und Biegefähigkeit beider Proben ließen sich keine Abweichungen beobachten. Als vorläufiges Ergebnis lässt sich deshalb festhalten, dass eine Trocknung des Leinenstoffs unter Druck vermutlich keinen Vorteil gegenüber der losen Trocknung bietet. Weitere Erkenntnisse lassen sich jedoch erst nach einem Beschusstest erfassen.

 

 

Verbindung separater Leinenstücke während der Verklebung

 

Eine mögliche Verbindung könnte bereits während der Klebung vorgenommen werden, wobei die Lagen der einzelnen Komponenten abwechselnd und schichtweise miteinander verklebt werden können. Zu diesem Zweck müsste das Schnittmuster an den vorgesehenen Klebestellen etwas großzügiger ausfallen. Die Probe #5 wurde nach diesem Vorgehen hergestellt und zeigt, dass eine Verbindung der Komponenten während des Klebens leicht möglich ist und sich nicht negativ auf die Stabilität des Panzers auswirkt.

 

Durch diese Technik wird die Materialstärke an der Klebestelle allerdings verdoppelt, was sich jedoch unter anderem dadurch lösen ließe, dass Klebelaschen an den einzelnen Elementen nur für jede zweite Stoffschicht vorgesehen werden.

 

Ist eine Verbindung nach der Austrocknung möglich?  

 

Da der Verklebungsprozess des Leinenpanzers grundsätzlich viel Zeit in Anspruch nehmen könnte, ist weiter die Frage zu klären, ob bereits verklebte und ausgetrocknete Leinenstücke miteinander verbunden werden können. Mit dieser Frage soll mitunter geklärt werden, ob der Panzer in einem einzigen oder in mehreren Arbeitsschritten gefertigt werden konnte oder vielleicht sogar musste.

Als Versuch wurde deshalb die Probe #6 aus drei Lagen Leinenstoff (Typ 1) hergestellt, die nach der Trocknung erst zerschnitten und dann schichtweise wieder verbunden werden sollte. Nachdem das ausgetrocknete Teststück in zwei gleiche Hälften geteilt wurde, ergab sich ein erstes Problem bereits beim Auftragen des Klebers. Die Proben ließen sich nach dem Trocknungsprozess nämlich nicht mehr nach dem Tauchprinzip verarbeiten. Der Kleber musste mit den Fingern auf die einzelnen Stücke ausgestrichen werden, was zu einem unbefriedigenden Ergebnis bezüglich der Verbindung führte. Auch das Erhitzen der Stücke mit einem Heißluftföhn vor dem Auftragen des Klebers verbesserte das Ergebnis nicht maßgeblich. Die Stücke lassen sich nach dem Trocknungsprozess höchsten einkochen, was für den Fertigungsprozess einen erheblichen Mehraufwand bedeuten würde.

Selbst zwei sehr dünne bereits Leinenplatten lassen sich nach dem Trocknen nicht mehr so aneinander pressen, dass eine Klebeverbindung mit Hasenleim hergestellt werden kann. Modellhafte Darstellung ohne Leim.

 

Es wurde bei dem Test allerdings nicht berücksichtigt, ob die Möglichkeit besteht, einzelne in Kleber getauchte Stoffschichten auf ein bereits getrocknetes Element aufzubringen. Dies soll später nachgeholt werden.

 

Es wird jedoch deutlich, dass der Leinenpanzer tendenziell in einem einzigen Arbeitsschritt gefertigt werden sollte.

K.G.